Wie viel Bargeld braucht man eigentlich, wenn man nach der Landung in Chile nicht gleich wegen jeder Kleinigkeit nach einem Geldautomaten suchen möchte? Diese Frage ist in der Praxis fast interessanter als der reine Name der Landeswährung. Chile ist beim Bezahlen erstaunlich unkompliziert, trotzdem gibt es ein paar Eigenheiten, die man besser kennt, bevor man am Flughafen die ersten Pesos aus dem Automaten zieht.
Ich würde Chile weder als klassisches Bargeldland noch als vollständig bargeldlose Gesellschaft bezeichnen. In Santiago, Valparaíso oder größeren Urlaubsorten kommt man mit Karte sehr weit. Sobald die Reise aber in kleinere Orte, auf Märkte oder in abgelegenere Regionen führt, sieht die Sache anders aus. Ein kleiner Vorrat an Bargeld gehört deshalb für mich weiterhin ins Portemonnaie.
Wie viel Bargeld würde ich tatsächlich mitnehmen?
Große Mengen Euro bereits in Deutschland in chilenische Pesos umzutauschen, halte ich meistens für unnötig. Praktischer ist es, nach der Ankunft einen überschaubaren Betrag abzuheben. Für die ersten Ausgaben reichen häufig 50.000 bis 100.000 chilenische Pesos. Damit lassen sich kleinere Einkäufe, Trinkgeld, ein Imbiss oder Ausgaben bezahlen, bei denen die Karte gerade nicht funktioniert.
Bei Banknoten sollte man außerdem nicht nur auf große Scheine setzen. Wer morgens in einem kleinen Laden eine Flasche Wasser mit einem sehr hohen Schein bezahlen möchte, merkt schnell, dass Wechselgeld nicht selbstverständlich unbegrenzt vorhanden ist. Kleine Scheine sind unterwegs wesentlich angenehmer.
Kartenzahlung funktioniert gut – aber nicht überall gleich
In Supermärkten, Hotels, Restaurants und vielen Geschäften werden internationale Kredit- und Debitkarten normalerweise akzeptiert. Besonders in größeren Städten ist Kartenzahlung so alltäglich, dass ich dort nicht für jeden Einkauf Bargeld bereithalten würde.
Trotzdem verlasse ich mich auf Reisen ungern auf eine einzige Karte. Eine abgelehnte Transaktion muss nicht bedeuten, dass mit dem Konto etwas nicht stimmt. Manchmal liegt es am Terminal, an der Verbindung oder an den Einstellungen der Bank. Zwei voneinander unabhängige Zahlungsmittel sind deutlich entspannter als eine einzige Karte plus Hoffnung.
Wer zunächst verstehen möchte, womit überhaupt gerechnet und bezahlt wird, findet unter der Währung in Chile und ihrer Bezeichnung die passende Grundlage. Gerade bei Preisangaben mit mehreren Tausenderstellen hilft dieses Wissen, Beträge schneller einzuordnen.
Am Geldautomaten lauert die unscheinbare Kostenfrage
Beim Abheben sollte man nicht automatisch jede angezeigte Option bestätigen. Geldautomaten können eigene Gebühren verlangen, zusätzlich können Kosten der heimischen Bank entstehen. Besonders aufmerksam werde ich, wenn mir ein Automat anbietet, den Betrag direkt in Euro umzurechnen.
Diese sogenannte dynamische Währungsumrechnung wirkt komfortabel, weil sofort ein vertrauter Eurobetrag auf dem Bildschirm steht. Der angebotene Wechselkurs muss aber nicht günstig sein. Wenn möglich, lasse ich die Belastung in chilenischen Pesos durchführen und überlasse die Umrechnung meinem Kartenanbieter.
- Vor der Reise Gebühren der eigenen Bank für Bargeldabhebungen prüfen.
- Am Automaten Beträge und mögliche Zusatzgebühren aufmerksam lesen.
- Eine zweite Karte getrennt von der Hauptkarte aufbewahren.
- Für kleine Geschäfte und Märkte etwas Bargeld bereithalten.
Warum chilenische Preise anfangs größer wirken
An die Zahlen auf Preisschildern musste ich mich gedanklich erst gewöhnen. Ein Mittagessen kann beispielsweise mit mehreren Tausend Pesos ausgezeichnet sein. Das sieht zunächst nach einer gewaltigen Summe aus, sagt aber ohne Umrechnung wenig über den tatsächlichen Preis aus.
Statt bei jedem Kaffee das Smartphone hervorzuholen, merke ich mir lieber einen ungefähren Referenzwert für 1.000 oder 10.000 Pesos. Da Wechselkurse schwanken, ist eine solche Faustregel nur für die jeweilige Reise gedacht. Sie reicht jedoch, um innerhalb weniger Tage ein brauchbares Preisgefühl zu entwickeln.
Bargeld bleibt dort wichtig, wo Reisen interessant wird
Je weiter man sich von großen Städten entfernt, desto weniger würde ich ausschließlich auf elektronische Zahlung setzen. Kleine Unterkünfte, Marktstände, lokale Anbieter oder Geschäfte in abgelegenen Gegenden können Bargeld bevorzugen. Das gilt besonders dann, wenn eine instabile Internetverbindung Kartenterminals unbrauchbar macht.
Deshalb besteht meine Reisekasse in Chile nicht aus einer großen Reserve im Rucksack, sondern aus einer Mischung: etwas Bargeld für den Alltag, eine Hauptkarte und eine getrennt aufbewahrte Ersatzkarte. Das reduziert sowohl das Verlustrisiko als auch die Abhängigkeit von einzelnen Zahlungssystemen.
Nach einigen Tagen verschwindet übrigens auch das anfängliche Gefühl, ständig mit riesigen Zahlen zu hantieren. Man denkt irgendwann nicht mehr bei jedem Preis sofort in Euro um, sondern erkennt, was ein Kaffee, eine Busfahrt oder ein normales Abendessen ungefähr kosten darf. Genau an diesem Punkt wird die fremde Währung vom Rechenthema zum ganz normalen Teil der Reise.
